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Weihnachtsbräuche in der Dominikanischen Republik

Ein Beitrag vom ehemaligen Forum-Mitglied „Silke Singer“ zu Weihnachten in der DomRep:

Es beginnt wie wir es aus Europa auch kennen: Bereits im Oktober erobert Weihnachtsdekoration die Geschäfte und Kaufhäuser, man schmückt Balkone und Gärten mit leuchtenden Girlanden, im Radio werden Weihnachtslieder gespielt, und Firmen belohnen ihre Mitarbeiter mit Verlosungen, Geschenken und Weihnachtsfeiern.

Der kleine aber feine Unterschied: Es fehlt die Winterkälte, Ofenwärme, vielleicht ein bisschen Schnee und der würzige Geruch der Tannenbäume, die als Weihnachtsbaum in unseren Wohnstuben Aufstellung nehmen.

Die Weihnachtsstimmung in der Karibik ist anders, nicht unsympathisch, aber viele Traditionen in der Dominikanischen Republik unterscheiden sich von den Traditionen wie wir es aus Österreich, Schweiz und Deutschland gewohnt sind.

In den Kirchen wird neben dem Christbaum ein Altar zur Geburt Jesu aufgestellt. Im Unterschied zu anderen Ländern, zeigt das Krippenspiel hier den Moment der Geburt Jesu.

Im Dezember folgt eine Feier der anderen unter Freunden und Familie. Jene Dominikaner die im Ausland leben, kommen für die Feiertage Heim und bringen Geschenke für ihre Familien.

Der 24.12. wird traditionell mit einem Abendessen in der Familie gefeiert, anschließend geht man aus, um mit Freunden und Bekannten die Nacht hindurch bis zum Morgengrauen zu feiern und gemeinsam mit Brot und heißer Schokolade oder Ingwer- Tee zu frühstücken. Den 2. Weihnachtsfeiertag kennt man hier nicht.

In der ersten Kathedrale von Amerika sowie in anderen Kirchen des Landes feiert man traditionell die Messe des Hahns (La Misa del Gallo). Nach der Messe gibt es Schweinefleisch (am Spieß oder gebacken), Kuchen, Truthahn und „Pasteles de Hojas“, eine Spezialität aus Platanos und Schweinefleisch.

Weniger bekannt im modernen Weihnachtsmenü ist Früchtebrot, es verschwand im Laufe der Jahre aus dem traditionellen Weihnachtsessen und ist nur noch selten anzutreffen.

Neben Schwein und den Pasteles ist auch „Locrío“ (ein Gericht aus Reis und Schweinefleisch), „Moro de Guandules“ (Reis mit Erbsen) und Kartoffelsalat (mit Apfelstücken) als Ergänzung des Gerichts sehr beliebt. Reis mit Nüssen, sowie verschiedene Früchte dürfen natürlich nicht fehlen.

In der Region Cibao, im Norden der Insel erhalten die Kinder traditionell Geschenke durch das Jesuskind, die es in der Nacht des 24. vorbeibringt, und am 25. morgens geöffnet werden. In Santo Domingo und im Südosten wird diese Tradition von den Heiligen Drei Königen am 6. Januar übernommen. Selbstverständlich gibt es in einigen Teilen des Landes auch die Tradition, dass der Weihnachtsmann die Geschenke für brave Kinder am Heiligabend vorbeibringt.

Zum Jahresende wird in der Dominikanischen Republik das Haus gewaschen und wo man es sich leisten kann auch gestrichen. Dabei werden auch Schränke und Garderoben ausgeräumt und gereinigt und in manchen Gegenden verbrennt man Weihrauch zur Reinigung von Körper und Geist.

In Santo Domingo war es einmal Tradition, dass sich die Mädchen am 1. Januar ganz in Gelb kleiden, jedoch ist das schon seit längerer Zeit nicht mehr so üblich.

Weniger verwurzelt, jedoch immer noch präsent bei einigen Jugendlichen ist der Brauch, an den Weihnachtstagen mit Gesang von Haus zu Haus zu ziehen und von der Nachbarschaft mit Keksen, Süßigkeiten und Getränken belohnt zu werden.

Weihnachtsbäume und Holzfiguren

Wenn man die Avenida Winston Churchill in Santo Domingo besucht, sieht man am Straßenrand Händler, die Holzfiguren und eigene Versionen von Weihnachtsbäumen verkaufen.

Mit einer eigenen Vorstellung von Schnee und Weihnachtsschmuck bieten diese Händler eine günstige Alternative zu den importierten Plastikweihnachtsbäumen.

Aus weichem Holz gedreht fertigen Handwerker traditionelle Weihnachtsfiguren, wie Rehe, Esel, Krippenspiel und Christbäume und besprühen diese mit weißer Farbe um an den Schnee und den Winter zu erinnern, den die meisten Dominikaner nur aus Büchern kennen.

Vor allem in wohlhabenden Familien ist es üblich, Haus und Garten mit Blumen zu schmücken, hier findet man mit seiner intensiven roten Farbe den auch bei uns bekannten Weihnachtsstern. Auch wird diese Pflanze immer als ein gutes Geschenk oder kleine Aufmerksamkeit von Freunden und Bekannten geschätzt.

In Santo Domingo findet als Adventstradition jeden Sonntag im Dezember ein Krippenspiel mit Gesang und Theater der Banco Poular statt. Der Eintritt ist frei, und jeder kann Chöre, Schauspiel und ein prächtiges Feuerwerk genießen.
Ein Magier sorgt bei dieser Veranstaltung für Spaß und Begeisterung und großen Beifall bei den Kindern.

Musikalisch feiert man Weihnachten mit dem beliebten Merengue, allerdings greift man hier während der Feiertage auf besonders alte, populäre Lieder zurück. In den Radiosendern sind aber auch viele moderne Weihnachtslieder zu hören, die meist aus ihrer englischen Version übersetzt und in Spanisch gesungen werde, wie das traditionelle „Jingle Bells „.

Viele Regionen haben ihre eigenen Weihnachtstraditionen, die sich häufig im Laufe der Geschichte aus verschiedenen Kulturen entwickelt haben. So feiert man zum Beispiel in San Pedro de Macorís Weihnachten mit Tänzen und bunten Trachten, die sich aus der Kultur der befreiten Sklaven der Engländer entwickelt hat.

Mehr zu Weihnachten als zum Neuen Jahr ist es hier üblich Feuerwerk zu zünden. Die Neujahrsfeier ist hier auch familiärer als in Deutschland, Schweiz oder Österreich, wo es häufiger üblich ist, dass die Familie getrennt feiert und Jugendliche das Neue Jahr im Zusammensein mit Freunden begehen.
In der Dominikanischen Republik feiert man mit der Familie den Abschied des alten Jahres und begeht das Neue gemeinsam, erst anschließend verlässt man das Haus, um Freunde zu treffen.

Mehr Bedeutung als bei uns hat auch der Dreikönigstag am 6. Dezember, an dem Kinder Zigarren und Geschenke für die Heiligen Drei Könige sowie Kräuter und Wasser für ihre Kamele unter das Bett stellen, in der Hoffnung ein schönes Geschenk zu erhalten.

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