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Dominik. Familie

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Ich saß an der Hotelbar Mar Azul trank ein Presidente und machte mir einige Notizen für die Reiseberichte. Meine Lieblingsfrau und unser Sohn vergnügten sich schon im Pool. Neben mir bemerkte ich einen Dominikaner, der sich mit einem anderen Mann in einem guten Deutsch unterhielt. Nach einiger Zeit sprach der Dominikaner mich an und wir fingen an uns zu unterhalten. Vorab stellte er sich vor und sagte mir, dass er Pedro hieß, in Wien wohnt und mit einer sehr lieben österreichischen Frau verheiratet ist. Der andere Mann ist sein Freund Willi, auch aus Österreich. Beide sind da um die Familie von Pedro zu besuchen und hatten ihr Domizil im Hotel Playa Dorada.

Das Gespräch dauerte einige Zeit, bis das Pedro und Willi weg mussten, aber Pedro lud mich mit Familie zu seiner Familie ein. Den Termin wollten wir dann beim nächsten Treffen vereinbaren. Ich war sehr überrascht und erfreut, da das genau das war, was ich mir so unter einem Urlaub vorstellte: Land und Leute kennen lernen!

Wir trafen uns jetzt des öfteren, aber ein Termin war (trotz Urlaub) schwer zu vereinbaren, denn entweder hatten wir was vor, oder Pedro und Willi. Freitag der 10. August, der Urlaub neigte sich dem Ende zu, da klappte es doch noch. Pedro teilte mir mit, dass er Montag fliegen wird und am Sonntag (12. August) mit seiner Familie Abschied feiern wird. Er lud uns ein, mitzukommen und den Nachmittag dort mit zu verbringen. Wir wollten uns um 15:00 Uhr treffen und um 19:00 Uhr wieder zurück sein.

Sonntag 15:00 Uhr, wir haben gelernt, denn wir waren die in der DR üblichen 5 Minuten zu Spät. Pedro und Willi warteten schon in der Hotelhalle auf uns. Nach einer kurzen Begrüßung begaben wir uns zu den vor dem Hotel wartenden Taxen. Es war zwar nicht weit (10 Minuten mit dem Taxi) aber ich hatte einige Mitbringsel für die Familie und wir wollten unterwegs noch etwas an Getränke und etwas für die Kinder einkaufen.

Hinter dem Hotel Ibero Star bog das Taxi nach links ab. Die Baustraßen mit bereits fertig gesetzten Randsteinen ließen ersehen, dass hier eine neue Urbanisation entsteht. Das Taxi fuhr nach Anweisung von Pedro bis an das Ende der Straße, wo es dann hieß: „Alles aussteigen, wir sind da!“

Ich stieg aus und schaute mich um, aber es war nichts als bewaldetes Gelände zu sehen. Einige Meter weiter stieg der unbefestigte Weg an und einige frei herumlaufende Ferkelchen ließen erahnen, dass wir am Ziel sind. Die Anhöhe herauf und dann waren wir schon da. Wir wurden erwartet und begrüßt, als wären wir schon langjährige Freunde. Die Mitbringsel übergaben wir einem Cousin von Pedro der für die Verteilung sorgen sollte. Dann kamen die Getränke auf den Tisch.

Es war ein lustiges Treiben. Man fühlte sich irgendwie wohl, denn hier gab es noch echte Familie. Drei Generationen trafen sich hier zu einem Familiensonntag bei Mama und Papa. Aber nicht nur Menschen, nein eine Vielzahl von Tieren liefen auf dem großen Gelände frei herum. Hühner, Gänse, Puten, Schweine mit vielen kleinen Ferkeln, Kühe, Esel, Hunde….. wahrlich ein Paradies.

Die Stühle wurden zusammengestellt und wir bildeten einen großen Kreis. Bei der Verständigung half mir dann Pedro. Einer der Familienmitglieder (Hector, ein lieber Kerl) hat sich dann mit mir zusammengetan und es vergingen keine 5 Minuten, wo nicht einmal das Wort „Salut“ fiel. Das war auch der Anfang einer Freundschaft.

Inzwischen machte unser Andrè die ersten Reitversuche auf dem Hauseigenen Esel. Zuerst als Copilot, um dann alleine sein Glück zu versuchen. Er schaffte eine dreiviertel Runde, dann blieb der Esel störrisch stehen und ließ sich auch mit den schönsten Worten nicht zum Weitergehen bewegen. Nach 5 Minuten war unser Andre es satt und stieg von dem Esel, der dann wieder an seinen Platz geführt wurde.

Faszinierend war, dass aus allen Ecken immer mal wieder ein Ferkel auftauchte. Wir dachten es wäre immer wieder das gleiche, aber nein, plötzlich kamen alle nach Hause. Eine Prozession von bestimmt 20 Ferkeln kam die Anhöhe hochgelaufen, einfach niedlich anzusehen. Einige Zeit Später kamen dann auch die Kühe nach Hause, es war wie ein Almabtrieb auf dominikanischer Art.

Während wir da unseren Cuba-Libre tranken, kamen so nach und nach weitere Familienmitglieder oder auch Freunde der Familie. Wir bildeten so nach und nach eine illustre Runde. Je mehr Cuba-Libre floss, desto geringer waren die Verständigungsprobleme. Mein Freund Hector blieb standhaft und brachte immer wieder ein freundliches Salut heraus. Er hatte auch scheinbar eine Cola-Allergie, von daher musste er seinen Brugal pur trinken. Von 19:00 Uhr Rückkehr zum Hotel wollte plötzlich keiner was wissen. Wir durften auch nicht, denn Mama hatte extra was für uns gekocht, eine dominikanische Gulaschsuppe.

Inzwischen bekam unser André auch noch Gesellschaft. Zwei nette Mädchen Lilly 13 Jahre und Irene 14 Jahre stießen zu unserer illustren Runde. Ich hätte beide bei weitem viel älter geschätzt, aber das schätzen ist bei jungen Damen ja immer so eine Sache.

Pedro, Willi und wir drei wurden an den Tisch gesetzt und die Familie saß um uns herum, denn sie hatten schon gegessen. Mama freute sich, als sie bemerkte, dass die Suppe uns allen schmeckte. Sie war auch sehr lecker. Sie wurde aus Schweinegulasch, Maniok und Kochbananen hergestellt und dann mit Reis gegessen. Mir läuft jetzt noch das Wasser im Mund zusammen wenn ich daran denke. Während des Essens kam zur einen Tür ein kleines Ferkel herein, das dann den Raum auch sofort wieder durch die zweite Tür verließ. Wie gesagt, einfach paradiesisch.

Die Zeit verging und inzwischen wurde der Kassettenrecorder angestellt und bekannte Klänge von Merengue und Bachata erfüllten das Gelände. So nach und nach begannen die ersten auch mal nach den Klängen zu tanzen. Inzwischen kam ein netter junger Mann (Juan Manuel), der im Occidental Flamenco Beach arbeitet und Feierabend hatte. Er schaffte es tatsächlich meine Lieblingsfrau zum Tanzen zu bewegen. Sie als eigentlich leidenschaftliche Nichttänzerin konnte plötzlich tanzen und machte noch nicht mal eine schlechte Figur dabei. Ich lernte sie plötzlich von einer anderen Seite kennen. Auch André und ich waren kurze Zeit später reif….

Bisher war ich (und bin ich immer noch) der Meinung, dass ein Dominikaner die Gabe Merengue zu tanzen mit der Muttermilch verabreicht bekommt. Im Hotel habe ich Urlauber beobachtet, die von den Animateuren etwas vorgeführt und bei einem Merengue-Kurs aussahen, als würden Bären mit Socken tanzen.

Den Unterschied sah ich dann, als Juan Manuel mit Irene tanzte. Ich hatte das Gefühl, als würden sie den Boden nicht berühren und einfach so schweben, beneidenswert. Da wir dort privat waren, konnte ich mich als professioneller Nichttänzer nicht mehr weigern zu tanzen. Entgegen meiner Einstellung versuchte ich es doch, da ich niemanden beleidigen wollte. Doch siehe da, mit den Dominikanerinnen machte es schon richtig spaß, denn die ließen den Funken Temperament überspringen, denn es klappte. Zum Schluss nahm sich das Oberhaupt der Familie, Papa (über 80 Jahre), die Ehre und holte sich meine Lieblingsfrau noch zu einer kleinen Runde Bachata was natürlich eine besondere für uns war.

So verging die Zeit und inzwischen wurde Nachschub an Cola, Eis und Brugal Ron geholt. Ich habe mir sagen lassen, es wurden sieben Flaschen Rum „vernichtet“. Die Zeit verrann einfach so und gegen 23 Uhr hieß es dann Abschied nehmen, ein Abschied, der trotz der kurzen Zeit sehr schwer fiel. Wir hatten eine sehr nette Familie kennen gelernt und diese in unser Herz schließen können. Wir habe versprochen im nächsten Jahr wiederzukommen, was wir auch gerne machen, denn wir hatten das Gefühl herzlich aufgenommen worden zu sein und eine Menge Freunde und –innen gefunden zu haben. Ein bekannter mit einem Pick-Up, der extra gewartet hatte, fuhr uns zum Hotel zurück. Als wir aufstiegen hatten einige leicht feuchte Augen. Für mich war der Tag das Schlüsselerlebnis, denn wir hatten Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, aber auf eine total liebenswürdige Weise.

Am nächsten Tag in Puerto Plata, wir fuhren zum Long Beach und da kam uns Hector mit einigen seiner Familienmitglieder entgegen. Er bremste, ließ den Wagen am Rand stehen und kam über die Straße zu uns herüber. Die Freude sich noch mal zu sehen war sehr groß. Als wir uns dann für Endgültig verabschiedeten, nahm mir Hector das Versprechen nochmals ab, im nächsten Jahr sie zu besuchen. Ich werde es gerne machen, denn das war Urlaub für uns!

 

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