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Charly in POP

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Der erste Tag wurde dann von uns zum Faulenzen genutzt. Die Zeitumstellung blieb nicht so einfach in den Schuhen stecken. Ich probierte einige Cocktails und freundete mich ein wenig mit den netten Dominikanern hinter den Tresen an. Gegen Mittag telefonierte ich dann mit Charly und wir verabredeten uns zu einem Date am nächsten Tag um 11:00 Uhr bei Sam´s Bar und Grill. Mit gemischten Gefühlen sah ich diesem Termin entgegen, denn ich kannte Charly ja des öfteren als einen kleinen „Grantus Bombastus“ ;-) )). Der nächste Morgen wurde dann zu einem ausgiebigen Frühstück genutzt. Danach begaben wir uns auf den Fußmarsch zur Hauptstraße die nach Puerto Plata führte. Jetzt konnten wir die Anlagen von Puerto Plata erst mal mit Genuss anschauen. Alle Hotels und der Golfplatz waren sehr gepflegt. An der Hauptstraße angekommen, wurden wir sofort angesprochen: „GuaGua?“ und ich antwortete mit einem „Si, Puerto Plata“. Ich dachte es wäre ein Fahrer, aber ich wunderte mich, dass er ein weiteres GuaGua Richtung Sosua wegschickte und uns in das nach Puerto Plata verfrachtete. WOW, dachte ich, ein GuaGua mit Air-Condition und das im Boden. Auf meine Frage wie alt das Gefährt ist, antwortete man mir: 28 Jahre. Da war es wieder, das Gefühl in der Magengegend. Ich hoffte nicht nach unten durchzufallen. Inzwischen stiegen immer mehr Personen zu. Eigentlich ist bei uns so ein Gefährt nur für 8 Personen zugelassen, aber wir sind nicht bei uns. Inzwischen waren wir zu zwölft. Umkippen konnte ich nicht mehr, denn es wurde sehr eng. Da uns dann noch ein Moped entgegen kam, dass mit vier Personen besetzt war, wunderte ich mich über nichts mehr. Übrigens unser Sichtrekord beim Moped liegt bei 6 Personen!!

In Puerto Plata doch ganz gut und heil angekommen hielt unser GuaGua an. Nach der Fahrt war ich sicher, dass in der DR ein Priester in die Hölle kommt und ein GuaGua-Fahrer in den Himmel. Warum wollt ihr wissen? Ist doch klar: Wenn der Priester predigt schlafen alle, wen der GuaGua-Fahrer fährt, dann beten alle! ;-) )) Ich bezahlte meinen Obolus von 30 Peso und stieg aus. Der nette Dominikaner, der mich eingefangen hatte stieg mit aus und erklärte, dass er mich zum Parque Central zur Kathedrale bringen würde. Ich wollte den Preis wissen und er sagte, dass ich geben könnte was ich wollte. Ich sagte OK und er schleifte mich durch POP. Unterwegs bekam ich Luftprobleme, denn die Mopeds ließen mehr Qualm aus dem Auspuff als damals die Trabbis. Ich vermutete, dass die mit Rum betankt werden. *g* Endlich (nach 15 Minuten) am Ziel, wollte ich unserem Führer dann 50 Pesos überreichen. Doch da war er nicht mit einverstanden und er wollte 200 Pesos. Da habe ich ihm klargemacht, das ich für das GuaGua (mit Abenteuereffekt) nur 30 Peso bezahlen musste und drückte ihm dann 70 Peso in die Hand. Etwas murrend zog er von dannen. Nun wollte ich doch gerne die Kathedrale besichtigen, da wir noch etwas Zeit hatten. Eigentlich ist das Gebäude von außen sehr schlicht gehalten, auch nach dem Betreten stellten wir fest, dass der uns bekannte Prunk und die Schnörkeleien in der Kirche fehlten. Dies tat aber keinen Abbruch an der doch schlichten Schönheit der Kirche. Als wir uns dann zu Sam´s Bar und Grill begaben, wurden wir von vielen „Ladenbesitzern“ angesprochen. Jeder wollte, dass gerade wir ihren Laden kennen lernen sollten. Natürlich waren es nur Führer, die Kaufprovisionen einheimsen wollten. Mit einem freundlichen „no gracias“ war die Angelegenheit meistens erledigt. Einer wollte nicht lockerlassen und daraufhin sagte ich ihm, dass wir uns mit einem Freund treffen wollten. Daraufhin kam er mindestens 5 mal zu Sam´s um zu kontrollieren ob das stimmt.

In der Zwischenzeit bekam meine Lieblingsfrau auch schon ihre Sandalen geputzt. Da diese dabei am Fuß blieben, wurden die Füße einfach mitgeputzt, wobei an diesen auch einiges an Farbe hängen blieb. Ein Händler bot mir Mahagonikästchen an, wobei ich auch ein freundliches „no gracias“ erwiderte. Zwischendurch kam er immer mal wieder vorbei und ließ ein paar nette Worte los. Ich konnte ihn zwar nicht verstehen, aber Gesten sagen auch schon viel aus. Später sollte ich ihn wieder treffen.

Um 11:05 Uhr kam dann Charly. Zuerst entschuldigte er sich für die Verspätung, wobei das doch in der DR gar nicht tragisch ist. Im übrigen war ich auf Urlaub und nicht auf der Flucht. Nach einigen Minuten musste ich feststellen, dass Charly gar nicht so grantig ist, wie er sich manchmal zu geben pflegt. Es kam da eine Sympathie rüber, die ich eigentlich nicht zu erwarten gedachte. Die folgende Stunde wurden wir mit Infos über die RD fast „erschlagen“. Alle Infos waren wertvoll, was wir in den noch verbleibenden (fast) zwei Wochen feststellen konnten. Wir tranken ein paar Presidente und die Zeit verflog im Gespräch. Schließlich machten wir uns dann zu Fuß auf um POP zu erkunden. Da die Mittagszeit angebrochen war versprach er uns einen kleinen Imbiss. Vorbei an Bernardo´s Hotel (aus der Generalgeschichte, man Bernardo jetzt kann ich Dich noch besser verstehen *g*) liefen wir einen kleinen Laden an. Hier bekamen wir die besten Baguette die wir je gegessen haben. Dazu wurde ein Mangosaft gereicht, der aus reiner pürierter Frucht bestand (einfach ein Gedicht). Nachdem wir bezahlt hatten, lobte ich den Inhaber noch wegen des tollen Saftes, da mussten wir noch warten und bekamen als Geschenk noch zwei frische Mangos. Einfach sehr, sehr gastfreundlich die Dominikaner.

Dann liefen wir kreuz und quer durch die Stadt, wobei Charly uns alles mit sehr viel Hintergrundwissen erklärte. Gegen Spätnachmittag kamen wir dann zur „Avenida General Gregorio Luperón“ bekannt als “Malecón” die Straße an der Promenade von Puerto Plata. Da ich inzwischen heiße Füße hatte, rangen wir uns zu einer Rast durch. Eine kleine Gaststätte lud uns geradezu ein und wir tranken bei Merengue und Bachata ein Presidente. Als wir dann so rumsaßen, kam dann unser Dominikaner mit seinen Mahagonikästchen. Jetzt, da er wieder sehr unaufdringlich einige freundliche Kommentare abgab, die erkennen ließen, dass er erfreut war uns wiederzutreffen, da konnte ich nicht mehr widerstehen. Ich musste ja noch eine Kleinigkeit mit nach Hause nehmen, da kamen mir die Kästchen (die auch schön verarbeitet waren gerade recht) und ich nahm direkt zwei ab. Als Zugabe erhielt unser André eine Figur in einer Tonne stehend geschenkt. Ich verrate den Sinn der Tonne jetzt hier nicht, aber unser Sohn hatte den ganzen Urlaub Spaß damit.

Inzwischen kam dann wieder ein Junge der Schuhe putzen wollte. Ich machte ihm klar, dass die Schuhe schon geputzt sind. Da wurde einfach nur rumgescherzt. Der Wirt wollte ihn mehrfach wegjagen, was er sich nicht gefallen ließ. Schließlich bot ich ihm was zu trinken an und er durfte sich eine Cola bestellen. Jetzt hatte er Oberwasser und er war plötzlich Kunde. Hoch erhobenen Hauptes trat er dem Wirt gegenüber und bestellte sich die Cola. Was ich nicht bedachte, jetzt saßen plötzlich vier da und da waren uns die drei anderen Colas auch egal. Nachdem alle ausgetrunken hatten, gingen sie, bis auf einen. Der zog dankbar meiner Lieblingsfrau die Sandalen aus und putzte was das Zeug hält. Man hätte sich bald darin Spiegeln können. Ein Lächeln kam rüber als wir ihn lobten. Als er dann gehen wollte, bekam er dann doch seinen Lohn, die dankbaren Kinderaugen vergesse ich nicht so schnell.

Nun ging es dann doch noch weiter. Unser Pfadfinder Charly führte uns in entlegene Gebiete von POP. Jetzt konnten wir etwas vom Leben in POP kennen lernen. Nach einiger Zeit machten wir Rast, ein Haus mit Vorterrasse und einem kleinen Kiosk. Da wir nicht nur Presidente trinken konnten, versuchten wir es mal mit Wasser. Aber der kleine Hunger stellte sich ein. Charly regelte sofort alles. Ich gab einer Tochter des Kioskbesitzers 150 Peso und sie rannte von dannen. Nach 10 Minuten kam sie zurück und drückte mir 30 Peso in die Hand, aber von dem besorgten Essen bekam ich nichts, denn sie verschwand damit im Haus. Ich schaute meine Lieblingsfrau an und wir wunderten uns, wobei das wundern sich noch steigern sollte. Nach einer Minute kam die Tochter wieder nach draußen und bat uns ins Haus, wo schon eingedeckt war. Nachdem wir verwundert Platz genommen hatten, begab sie sich nach draußen und wir hatten das Haus und das erste echte dominikanische Essen für uns alleine. Besonders Toll fand ich, dass das Mädchen drei verschiedene Essen besorgte (Schwein, Rind und Huhn), so konnten wir untereinander probieren.

Nach dem Essen begaben wir uns nach draußen und bedankten uns recht herzlich. Ich glaube von der Gastfreundschaft und dem Vertrauen können wir Deutsche uns eine sehr dicke Scheibe abschneiden. Noch ein kleiner Drink und der Tag neigte sich dem Ende. Taxi, Abschied und ein weiteres Date wurde mit Charly verabredet. Diesmal sollte BoBo mit von der Partie sein. Ein schöner aber anstrengender Tag neigte sich dem Ende und ich war mir sicher mindestens einen neuen Freund gefunden zu haben.

 

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