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Dachbau

Wie sollten Dächer in der R.D. nach Möglichkeit beschaffen sein?

Dächer auf einfachen dominikanischen Häusern bestehen in der Regel nur aus Wellblech. Zwischen den Wänden, aus was sie auch immer bestehen, und dem Dach ist meistens eine ca. 10 cm hohe umlaufende Öffnung, wodurch eine permanente Lüftung gegeben ist. Allerdings kommt auf diesem Weg auch jegliches Ungeziefer ins Haus.

Dächer auf besseren, und natürlich auch teureren, Häusern bestehen in der Regel aus Beton. Teilweise ist die Aussenseite nur mit Farbe gestrichen, teilweise hat man halbschalenförmige Dachziegel aus Ton einfach in Speiss (Mörtel) auf das Dach gelegt. Diese Ziegel sind nun fest mit dem Betondach verbunden. Da aber Ton und Beton einen anderen Temperaturkoeffizienten haben, ist es nur eine Frage von kurzer Dauer, bis durch die unterschiedlichen Ausdehnungen der Materialien die Tonziegel reissen. Die Dächer haben meistens auch eine viel zu geringe Neigung, wodurch das Regenwasser nicht schnell genug abläuft. In den Innenräumen kann man sehr bald unschöne Wasserflecken erkennen. „Geschickte“ Baufirmen erklären die Wasserflecken dann mit dem karibischen Klima, und man müsse hin und wieder neu streichen, die Nässe bekommt man jedoch mit einem neuen Anstrich nicht aus dem Mauerwerk.

Diese Konstruktion, Betondach oder Betondach mit Dachziegel, hat weiterhin den grossen Nachteil, dass dieses Dach wie ein Speicher für die Tageshitze wirkt. Diese Dächer werden tagsüber so heiss, natürlich nur wenn die Sonne scheint, dass man fast Spiegeleier darauf braten könnte. Nach Sonnenuntergang kühlen diese Dächer nur sehr, sehr langsam aus, sodass es auch in den darunter liegenden Zimmern keine erfrischende Abkühlung stattfindet.

Was gibt es für Möglichkeiten, um diese Nachteile zu verhindern?

Es bieten sich hier zwei Lösungen an:

a) die wahrscheinlich kostenmässig etwas günstigere

Man errichtet ein normales Betondach, welches aber mindestens eine Neigung von 22° besser 25° haben sollte. Auf diese Betonflächen wird nun eine normale Konterlattung aus Dachlatten 24×48 mm (etwas abweichende Masse spielen keine Rolle) aufgebracht. Hierbei ist aber zu beachten, dass die Löcher, mit denen die erste Reihe Dachlatten auf dem Beton be¬festigt werden, ordentlich abgedichtet werden (Silicon, Bitumen, o.ä.). Auf diese Konterlattung werden nun Betondachsteine, wie wir sie als Ziegel in Europa kennen, verlegt. Hierdurch entsteht zwischen dem Dachziegel und dem Betondach ein isolierendes Luftpolster von ungefähr 5 cm Stärke. Es gibt auch Betondachsteine, die mit einer kleinen Haube mit Entlüftungslöchern versehen sind. Wenn man nun kurz vor dem First einige dieser Dachziegel installiert, dann kann die warme aufsteigende Luft, zwischen Ziegel und Betondach, ungehindert entweichen, welches sich noch günstiger auf die Temperaturen in den Innenräumen auswirkt.

b) die kostenmässig etwas teuere, jedoch sicher viel schönere Lösung

Man errichtet einen normalen Dachstuhl aus Holzbalken. Auf diese Holzbalken wird nun von aussen eine Täferung aus Brettern mit Nut und Feder aufgebracht. Es versteht sich von selbst, dass die Balken und Bretter gehobelt und geschliffen sein müssen. Die Auswahl der Hölzer ist schlussendlich vom Geschmack und vom Geldbeutel abhängig. Man bekommt in Santo Domingo und Santiago alles, von normaler relativ günstiger Pinie, über kanadische Zeder bis zu brasilianischen Edelhölzern. Mit dieser Konstruktion erhält man im Inneren des Hauses wunderschöne Holzsichtdecken, welche man ganz nach Geschmack nur lasieren oder farbig streichen kann.

Um diese Holzdecken von oben her dicht zu bekommen, müssen dann sofort asphaltierte Folien aufgeklebt werden (vor dem nächsten grossen Regen). Es gibt diese in verschiedenen Stärken auf Rollen, man sollte jedoch nicht unter 3 mm, besser 4mm, gehen.

Auf diese Asphaltbahnen wird nun die unter a) beschriebene Konterlattung aufgebracht. Hierbei ist natürlich zu beachten, dass die Nägel nicht in den sichtbaren Teil der Täferung geschlagen werden, sondern immer an die Stellen, wo sich ein dicker Balken befindet. Auch diese Nagelstellen müssen abgedichtet werden. Nun wird die Konterlattung mit Dachziegeln belegt.

Für die Abstände der Dachlatten untereinander gibt es Vorgaben, welche durch die verwendeten Betondachsteine bestimmt werden.

Es gibt in der R.D. mittlerweile nicht nur die berühmt berüchtigten halbrunden Dachziegel, sondern man kann auch venezo¬lanische und europäische Dachziegel kaufen. Es gibt an der Nordküste eine Firma, mit deutschem Inhaber, welche Dachsteine aus Beton herstellt. Die Formen dieser Ziegel kennen Sie aus Europa. Die Herstellungsweise aus Beton hat obendrein den grossen Vorteil, dass die Ziegel ganz nach Wunsch eingefärbt werden können, abgesehen von den ca. 15 verfügbaren Standardfarben.

Diese Firma übernimmt auch das komplette Decken des Daches (abdichten mit Asphaltfolie, Aufbringen der Konterlattung, liefern und decken mit Dachsteinen).

Keine Angst, ich bin an dieser Firma nicht beteiligt, und bekomme auch keine Provision.

Oftmals werden auch Dächer aus Cana (Blätter der Canapalme) angeboten. Ich rate jedoch ab, derartige Dächer über geschlossenen Räumen zu verwenden. Ganz sicher sieht es optisch, je nach Baustil, wunderschön aus. Seien Sie sich jedoch bewusst, dass diese Dächer immer von „Leben“ erfüllt sind. Sie haben dann sehr viele „Mitbewohner“, die sie vielleicht auch im Bett antreffen können. Die Bar am Pool, einen kleine Kiosko im Garten oder eine Garage kann man damit decken. Allerdings muss man auch hier auf die Dachneigung aufpassen. Meistens sind die Dächer bei Canabedeckung viel zu flach und verfaulen daher sehr rasch. Die Dachneigung sollte in jedem Fall mindestens 30° betragen, damit das Regenwasser rasch ablaufen kann, und die Dachbedeckung recht lange hält.

17. Mai 2003 – Werner Ludowig

 

 

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