«

»

Artikel drucken

Hahnenkampf

Die Spanier haben den Stierkampf, die Dominikaner den Hahnenkampf.

In der Dominikanischen Republik stößt man in jeder Stadt, in jedem noch so kleinen Dorf auf eine “Gallera” oder einen “Club Gallístico”. Oft ist es nur ein strohgedeckter Verschlag, manchmal aber auch ein protziges Betonrund, den ein reicher Dominikaner seinem Dorf spendiert hat. Der Hahnenkampf hat seine eigenen Gesetze, Riten und einen für Außenstehende fast unverständlichen Jargon. Dominikanische Zeitungen berichten über diesen “Sport” in eigenen Spalten, wie über den Baseball.

Der kreolische Hahn “El Criollo” ist zweieinhalb bis vier Pfund schwer und wird nach seiner Herkunft, Farbe und seinen Federn klassifiziert. Am vornehmsten gilt der braune “Indio”, den weißen “Jabado” schätzt man am wenigsten. In der Mitte der Beliebtheitsscala liegen der gelblich gefiederte “Talisayo” oder der zweifarbige “Canelo”.

Der Hahn wird mit einer strengen Diät aus Getreidekörnern und Insektenlarven aufgezogen. Einmal in der Woche bekommt er rohes Fleisch, Tomaten und Bananen. Liebevoll wird er gepflegt, gebadet und mit Öl und Alkohol eingerieben, um seine Muskeln zu kräftigen und er erhält Vitamine. Federn und Kamm werden beschnitten, damit sich im Kampf nicht die Sporen darin verfangen. Er ist für den Besitzer wichtiger als seine eigene Familie.

Dem noch unerfahrenen Hahn wird in der ersten Zeit “Monos” (schwächere Sparringspartner) vorgesetzt. Dabei wird alles getan, dass der Hahn sich nicht verletzt. Jeder “Gallero” (Hahnenzüchter) hat sein eigenes Rezept, um sein Tier kampftauglich zu machen.

Wenn es dann zum Kampf kommt, dann hat der “Gallero” zuerst seinen Pflichteinsatz zu verkünden. Dann notiert ein Wettnehmer Handzeichen und Zurufe aus dem Publikum. Die abgeschlossenen Wetten sind rechtsverbindlich, wobei erst nach dem Kampf kassiert und ausgezahlt wird.

Wenn es zum Kampf kommt, dann hat der Schiedsrichter “Juez de Valla” die absolute Autorität. Er bestimmt den Sieger so früh wie möglich, denn keiner ist an einem toten Hahn interessiert.

Für den unkundigen sind die Zuschauer eigentlich das Interessante und Spannende an dem Kampf. In den Rängen spielen sich oft richtige Szenen ab und es ist schon gut, dass der Polizist, der am Eingang postiert ist, Waffen eingesammelt hat und auch sonst aufpasst, dass die Erregung nicht außer Kontrolle gerät. Sobald die Hähne aufeinander losgelassen werden, brodelt die ganze Arena. Laute Anfeuerungsrufe verwandeln sie in einen Hexenkessel. Der Sieg bedeutet Triumph und die Niederlage Schmach für den Besitzer. Beides liegt ganz nah beieinander. Da der Kampf nie vorhersehbar ist, wächst die Spannung ständig, bis zur Entscheidung. Die Kämpfe dauern zwischen 5 und 20 Minuten. Obwohl er selbst nicht gekämpft hat, fühlt sich der Besitzer des siegreichen Hahnes wie ein Gladiator. Dem Verlierer verbleibt dann nur noch Hohn und Spott der Anwesenden. In der Regel fließt beim Hahnenkampf kein Blut, da die Tiere für den Besitzer sehr wertvoll sind. Der unterlegene Hahn wird dann für den nächsten Kampf wieder aufgebaut und trainiert.

Frauen ist der Besuch zwar nicht grundsätzlich verwehrt, doch eigentlich werden sie nur geduldet und sind in der Arena nicht unbedingt gerne gesehen. Sie versorgen das Publikum in den Pausen oft mit Rum und Bier. Das Macho-Spektakel lieben die meisten der Frauen nicht. Zwar wird der siegreiche “Gallero” außerhalb der Arena oft von Frauen umringt, doch die Familie des Verlierers wird in der Regel die nächsten Wochen knapp bei Kasse sein und den Gürtel enger schnallen müssen.

Das Wetten kann für den einen sehr einträglich sein, aber manch einer hat da schon Haus und Hof verwettet und sich so finanziell ruiniert!

dominikanische-republik-hahnenkampf

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.dominikanische-republik2001.de/g-h/i_hahnenkampf.htm